Angst – der Kostentreiber inkognito

Alle Unternehmen sind hinsichtlich Kosten sehr sensibel. Denn Kosten senken die Rentabilität und belasten das gesamte Unternehmen. Daher sind Controlling Abteilungen ständig damit beschäftigt, die wichtigsten Kostentreiber zu identifizieren und die unnötigen Kosten auszumerzen.

Hierzu werden Prozesse optimiert, KPIs ermittelt und Systeme optimiert. Der größte Kostentreiber passt allerdings in keine Exceltabelle. Und kostet Unternehmen Millionen: Angst.

Angst ist das stärkste Gefühl, das Menschen kennen. Unabhängig von der Intensität sorgt Angst auch dafür, dass Menschen völlig irrationale Dinge tun. Angst ist mächtig und vor allem unsichtbar.Wenn man versucht herauszufinden, warum Menschen gewisse Dinge tun - bar jeder Vernunft, ist Angst die häufigste Antwort.

Angst hat viele Facetten in Organisationen und die Kraft entfaltet sich meist unbemerkt und verursacht massive Kosten.

Ein paar Beispiele:

Unsinnige Regeln und Prozesse

In der Regel kennen viele Mitarbeiter die Schwachstellen oder Unsinnigkeiten von Regeln. Sie wissen auch wo Prozesse immer wieder scheitern oder zu hohe Aufwände erzeugen. Aber Angst verhindert, dass Mitarbeiter diese Defizite klar aussprechen und bekannt machen. Die Angst vor Repressalien ist größer als der Mut zur Veränderung. Das ist das Resultat von Konformitätsdruck. Wenn alle so arbeiten, warum sollte gerade ich den Mund aufmachen. Das erzeugt nur Ärger.

Kunden kaufen nicht die beste Option, sondern das niedrigste Risiko.

Entscheider müssen Entscheidungen treffen, für die es keine ausreichende Grundlage gibt. Denn sonst könnte die Entscheidung jeder treffen. Ein zentraler Treiber für Entscheidungen ist Angst. Die Angst vor einer falschen Entscheidung ist für viele Entscheider die Handlungsmaxime mit dem größten Gewicht.

Das bedeutet, dass viele Unternehmen nicht die vermeintlich beste Option wählen, sondern die Option, die die größte Sicherheit verspricht. 

Eine Website, die eine kleine Agentur für 6000,- € produziert hätte, kostet dann 25.000 €, weil die Agentur jeder kennt. Wenn das Projekt schief geht, zieht der Entscheider die "Ich komme aus dem Gefängnis frei Karte" mit den Worten: Was hätte ich machen sollen? Die Agentur ist doch total bekannt und teuer.

Entscheider verprassen lieber hohe Budgets als Lösungen zu kaufen, die ein besseres Preis-Leistungsverhältnis bieten. Risikominimierung hat Priorität vor Budgetoptimierung.

Projekte fahren gegen die Wand

Der wahre Grund, warum viele Projekte an die Wand fahren, ist in einem Wort erklärt: Angst.

Denn die Angst sorgt dafür, dass Menschen, die Probleme in Projekten erkennen, diese nicht kommunizieren. Insbesondere Projektmanager neigen dazu, kritische Aspekte unter den Tisch. zu kehren, statt diese frühzeitig zu benennen. Der Grund hierfür ist trivial. Der Projektmanager will verhindern, dass jemand denkt, das er seinen Job nicht richtig macht. Folglich werden Probleme verschwiegen und unter den Teppich gekehrt. Man lebt von der Hoffnung, dass sich das Problem entweder von selber auflöst oder im Kosmos aller Probleme nicht auffallen wird.

Jeder Mensch kennt Angst. Und alle wissen, dass Angst gravierende Auswirkungen auf unser Verhalten hat. Angst erzeugt Unsummen von versteckten Kosten, die jedoch ein Inkognito-Dasein führen und in keinem KPI Dashboard auftauchen.

Gegen Angst hilft nur Offenheit und Vertrauen. Und diese Aspekte kann man nicht so leicht austauschen wie eine Software oder ein neues Bauteil. Für diese Aspekte muss man etwas tun. Eine Umgebung zu schaffen, wo Offenheit und Mut belohnt und nicht bestraft wird. Denn nur wenn ich über etwas Bescheid weiß, kann ich reagieren.

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